My Eesti 16/17

Mein Jahr im Norden

Berichte von 07/2016

19Juli
2016

Auslandsjahr

Tere,

Diesen Text habe ich aus einer Whatsapp Gruppe meiner VBT. Ich finde erbeschreibt unglaublich gut worauf man sich als Austauschschüler einlässt. (Der verfasser des Textes hat diesen nach seinem auslandsjahr geschrieben.)

Viel spaß beim lesen und nachdenken

Eure Marieinnocent


 Was bedeutet ein Auslandsjahr?

Auslandsjahr bedeutet Veränderung. Schnell, brutal, wunderschön, schmerzhaft, bunt, atemberaubend, unerwartend, überwältigend und eine konstante Veränderung. Veränderung im Lebensstil, dem Land, der Sprache, den Freunden, den Eltern, dem Zuhause, der Schule, einfach alles.

Auslandsjahr bedeutet zu realisieren, dass alles was sie dir vorher gesagt haben falsch war, aber in irgendeiner Weise auch richtig.

Ein Auslandsjahr geht vom Denken aus zu wissen wer man ist, keine Ahnung zu haben wer man noch ist und jemand Neues zu sein. Aber nicht vollständig neu. Du bist immernoch die Person, die du davor warst, aber du bist ins kalte Wasser gesprungen. Du weißt wie es sich anfühlt auf sich selbst gestellt zu sein. Weit weg von Zuhause, mit keinem an der Seite den du wirklich kennst. Und du findest heraus, dass du es auch so ziemlich gut hinkriegst.

Ein Auslandsjahr bedeutet zu Vertrauen. Den Menschen zu vertrauen, die, anfangs, nur Namen auf einem Blatt Papier waren, ihnen zu vertrauen, dass sie das Beste für dich wollen, dass sie für dich sorgen. Vertrauen in dich, dass du es die Stärke hast ein Jahr auf dich alleine gestellt zu sein, dass du ein Jahr aushälst weit weg von allem was dir mal wichtig war. Darauf zu vertrauen, dass du Freunde haben wirst. Vertrauen, dass alles gut werden wird. Und zu sehen, dass dieses Vertrauen gerechtfertigt war.
Ein Auslandsjahr bedeutet Nachdenken. Über alles. Über diese komische Kleidung, das komische Essen, die komische Sprache. Darüber warum man hier ist und nicht Zuhause. Darüber wie es sein wird wieder nach Hause zu kommen. Wie dieser eine Junge reagieren wird, wenn du ihn wieder siehst. Darüber mit wem man am Wochenende chillen wird. Zuallererst wer dich überhaupt fragt ob zu was machen willst. Und zuletzt wo du hingehen sollst, wenn dich 10 verschiedene Menschen irgendwo einladen. Darüber wie bescheuert das ganze Zeitzonensystem ist. Nicht nur wegen Zuhause, sondern auch wegen den Tv-Spots für Sendungen die dich komplett verwirren.
Nachdenken was richtig und was falsch ist. Darüber wie dumm oder herzlos du zu jemandem warst ohne es so zu meinen. Über den Knackpunkt von all dem. Über den Sinn des Lebens. Darüber wer du sein willst, was du tun willst. Und darüber wann der Spanisch Test ansteht, obwohl die Note überhaupt nicht zählt für dich. Darüber ob du lieber nach Hause solltest nach der Schule oder doch bei irgendjemandem bis Mitternacht abhängen sollst. Bei jemandem, den du bis vor ein paar Monaten nichtmal gekannt hast. Und darüber was zum Teufel der Kerl dir eben versucht hat zu sagen.

Ein Auslandsjahr bedeutet Menschen. Diese unglaublich seltsamen Menschen, die dich anschauen als wärst du ein Alien. Diese Menschen, die sich nicht trauen mit dir zu reden. Und diese Menschen, die tatsächlich mit dir reden. Diese Menschen, die deinen Namen kennen, obwohl du sie noch nie getroffen hast. Diese Menschen, die dir sagen von wem du dich fernhalten sollst. Diese Menschen, die hinter deinem Rücken über dich reden, diese Menschen die Witze über dein Heimatland reißen. All diese Menschen, die es nicht wert sind sich darüber aufzuregen. Diese Menschen, die du ignorierst.
Und diese Menschen, die dich zu sich nach Hause einladen. Die dich normal behandeln. Die deine Freunde werden.

Auslandsjahr bedeutet Musik. Neue Musik, komische Musik, coole Musik, Musik die du immer als eine Art Soundtrack für dein Auslandsjahr in Erinnerung behandeln wirst. Musik, die dich anfangen lässt zu weinen mit ihren Texten die genau das sagen was du fühlst, so weit weg. Musik die dich die ganze Welt umarmen lässt. Und es ist Musik die du machst. Mit den überragensten Musikern, die du jemals getroffen hast.

Ein Auslandsjahr ist beklemmend. Es ist das Gefühl nicht am richtigen Platz zu sein, wie das fünfte Rad am Wagen. Man redet mit Menschen, die man eigentlich nichtmal leiden kann. Es ist der Versuch zu alles und jedem nett zu sein. Es ist kalt, eiskalt. Es ist Heimweh, eine unangenehme Stille und das Gefühl schuldig zu sein, weil man sich nicht zuhause gemeldet hat. Oder das Gefühl schuldig zu sein, etwas verpasst zu haben, weil die mit deinen Liebsten geskypt hast.

Ein Auslandsjahr ist großartig. Es ist das Gefühl, dass die Verbundenheit zwischen dir und deinen Gasteltern wächst. Zu hören, wie die Gastschwester fragt wo ihre Schwester ist. Es ist das Wissen wo das Nutella im Schrank steht. Das Treffen von Menschen aus aller Welt. Ein Schlafplatz in fast jedem Land zu haben. Es ist das Bekommen von 4 neuen Familien. Einer von ihnen zu sein, von dieser großen Gruppe mit den überragendsten Jugendlichen auf der ganzen Welt.
Es bedeutet Essen aus dem Heimatland zu kochen und nicht durcheinander zu kommen. Es ist das Entdecken von atemberaubenden Landschaften von denen du nicht einmal wusstest, das sie existieren.
Ein Auslandsjahr bedeutet Auslandsjahrschüler. Die wunderbarsten Menschen auf der großen weiten Welt. Diese Menschen von überall her, die genau wissen wie du dich fühlst und diese Menschen die zu deinen absolut besten Freunden werden, obwohl du sie nur 3 oder 4 mal in dem Jahr gesehen hast. Die Menschen, wo es fast eine Stunde dauert sich von ihnen zu verabschieden. Diese Menschen, die dir so viel bedeuten. Überall auf der Welt.

Ein Auslandsjahr bedeutet sich zu verlieben. In ein wundervolles, wildes, wunderschönes Land. Und in dein Heimatland.

Ein Auslandsjahr ist frustrierend. Dinge, die du nicht tun kannst, Dinge, die du nicht verstehst. Dinge, die du sagst und damit genau das Gegenteil ausdrückst von dem was du eigentlich meinst. Oder schlimmer…

Ein Auslandsjahr bedeutet Verstehen.

Ein Auslandsjahr ist unglaublich.

Ein Auslandsjahr ist nicht ein Jahr in deinem Leben. Es ist ein Leben in einem Jahr.

Ein Auslandsjahr ist nicht wie du es erwartet hast, und genauso wie du es dir gewünscht hast.

Ein Auslandsjahr ist soweit das beste Jahr deines Lebens. Ohne Zweifel. Und es ist gleichzeitig das Schlimmste. Ohne Zweifel.

Ein Auslandsjahr ist etwas, was du niemals vergessen wirst, etwas das immer ein Teil von dir sein wird. Es ist etwas was Zuhause nie jemand wirklich verstehen wird.

Ein Auslandsjahr bedeutet erwachsen zu werden, zu realisieren, dass jeder gleich ist, ganz egal woher er kommt. Dass es überall großartige Menschen und Duschvorhänge gibt. Und dass es nur an dir selbst liegt ob dein Tag gut oder schlecht wird. Oder das ganze Jahr. Und es ist das Realisieren, dass du es auch alleine hinbekommst, dass du eine eigenständige Person bist. Endlich. Und es ist der Versuch, das deinen Eltern klar zu machen.

Ein Auslandsjahr ist Tanzen im Regen ohne Grund, gleichzeitig ohne Grund weinen und zu lachen.

Ein Auslandsjahr ist Alles. Ein Auslandsjahr ist etwas das du nicht verstehen kannst, wenn du es nicht selbst erlebt hast.



19Juli
2016

28 Tage und noch sooooo viel zu tun

Tere,

Ja auch ich melde mich mal wieder. Ich habe Sommerferien bin viel Unterwegs und versuche meine letzten Tage hier in Deutschland zu genießen. Doch ich habe die rechnung wohl ohne YFU gemacht. Letzte Woche kam wieder eine Mail. Anscheinend benötige ich noch einige Dokumente um in Estland eine Aufenthaltsgenemigung zu beantragen. Unter anderem muss ich mit meinen Eltern nich zum Notar um eine Einverständnis erklärung zu beglaubigen. Auch habe ich in der Mail Informationen zu meiner Ankunft in Estland bekommen.

Vor 2 Wochen habe ich bereits meine Abflugsuhrzeit bekommen. Mein Flieger geht um 6 Uhr morgenssurprised. Ja das heißst sehr früh aufstehen für mich. Denn ich muss ja nicht nur ca.2 Stunden eher da sein, ich fahre auch noich 2 stunden bis zum Flughafen. Ich fliege von Düsseldorf nach Frankfurt, dort treffen sich alle YFU Schüler. Dann werden wir zusammen gegen 10 Uhr richtung Tallinn aufbrechen.

Das ist aber tatsächlich nicht das einzigste was in den letzten Wochen passirt ist. Ich habe schon viel kontackt zu meiner Gastfamilie. Sie sind sehr nett und freuen sich genau so auf mich wie ich mich auf sie. Meine Gatsmutter hilft mir bei allen Fragen.

Auch habe ich für mich die passende möglichleit gefunden mein Geld zu verwalten. Ich habe meine EC Karte der Volksbank die ich dort wie eine Kreditkarte nutzen kann. (Jedoch ist Geldabheben nicht gebührenfrei) Um auch Bargeld zu haben, habe ich mir eine Postbank Spar-Kart zugelegt. Mit dieser kann ich 10 mal im Jahr gebürenfrei abheben. Ich hoffe dies klappt auch in meiner zukünftigen Heimat.

Meine Gefühle:

Ich kann es garnicht richtig beschreiben. Viele Austauschschüler beschreiben diese Gefühle, als ein schweben zwischen zwei Welten. Ja das trift es ziemlich genau. Auf der einen Seite bin ich tierisch aufgeregt und freue mich auf alles was da vor mir liegt. Auf der anderen Seite bin ich unheimlich traurig, traurig mein Zuhause zu verlassen, traurig meine Freunde zu verlassen, traurig das Dorf, welches meine Heimat ist zu verlassen, traurig alles schöne was ich erlebt habe hinter mir zu lassen. Ich habe sehr viel nachgedacht was ich alles wohl verpassen könnte wärend meines Jahres. Was wohl alles passiren wird? Diese Frage schwebte lange Zeit in meinem Kopf. Doch das ist der falsche Weg. Ich muss mich eher Fragen, was werden alle anderen verpassen? Denn ich werde das beste Jahr meines Lebens haben. Viele neue Dinge entdecken. Natürlich werde ich immer auch etwas verpassen, doch das ist es mir wert. Die Welt ruft mich.

Die Erde dreht sich immer weiter. Sie wird nicht für dich anhalten, darum gehe deinen Weg und lebe deine Träume.

 

Bis bald,

Marie